Ankunft im Kloster am Nachmittag.
Es regnet. Ausgerechnet dann, wenn wir aussteigen und mit dem Gepäck hantieren müssen.
Der Mann an der Pforte ist außerordentlich nett. In seiner Nettigkeit liegt der Wunsch nach Distanz. Er heißt uns trotzdem herzlich willkommen. Er kommt sogar aus seinem Büro, seinem geschützten Raum auf uns zu.
Wir warten auf Pater Raphael. Er soll uns zu den Zimmern geleiten und uns einiges zeigen und erklären. Was bei seiner Nicht-Kommunikationshaltung zur Herausforderung wird. Muffelig geht er uns voraus – er kennt ja den Weg – und wir mit unserem Gepäck hinterher. Er war schon bei der Koffer aus dem Auto-Aktion ein nicht-tatkräftiger Zuschauer. Das verschachtelte Klostergesamte hat einige Stufen und auch hier lässt er uns die Koffer über die Stufen rauf- und runterhieven. Gaby die Unterstützung zu verweigern ist schon grobe Unhöflichkeit. Irgendwann schnappt er sich doch Gabys Koffer – vermutlich waren wir zu langsam – und zieht ihn missmutig hinter sich her.
Die Unterkunft ist angemessen. Bei mir im Zimmer ist das Fenster in unerreichbarer Höhe. Der Sessel neben dem Fenster beweist, nicht nur für mich. Die Welt soll eben draußen bleiben.
Irgendwie fühle ich mich wie in einem „Wow – ist hier viel Platz“-Film. Die Gänge breit und lang. Die Zimmer großzügig und dunkel (hier im Erdgeschoss). Manche Möbel sind aus den 1980er Jahren, manche von früher. Sie stehen so nebeneinander und wissen nicht, gehören sie für länger zusammen oder stehen sie halt nur so herum. Ich fühle mich fremd hier. Gott scheint überall zu sein, ich habe ihn allerdings noch nicht getroffen.
Schreibend versuche ich einen Platz zu finden.
Es wird schnell dunkel im Kloster, schlafe unruhig, träume, dass ich mich verirre und nicht wie verabredet um 08.00 Uhr im Frühstücksraum bin, sondern erst um 10.30 Uhr.
Am Morgen
Der Putztrupp – Frauen, obwohl ein Männerkloster – ist seit der Früh unterwegs. Staubsaugen im Kloster – irgendwie fast absurd, aber ja, über Staub im Kloster habe ich mir nie Gedanken gemacht. Und der macht sich auch hier breit (nicht nur bei mir zuhause).
„Grüß Gott“ – die Begrüßung habe ich noch parat.
Ich schreibe im Kaffeezimmer – vermutlich nach der Kaffeemaschine benannt, denn sonst erinnert nichts an Kaffee. Ein Kreuz mir gegenüber. Der gequälte Christus lächelt, über den Dingen hängend. Er nimmt ja die Schuld auf sich. Dieses Symbol hat mich immer irritiert. Märtyrer*in – eine Role Model. Und der ständige Hinweis, Christus sei für uns Menschen gestorben. Sorry, Leute, damit habe ich nichts zu tun. Übernehme schon die Verantwortung für mein Handeln selber.
Noch keinen Platz gefunden. Auch meine Gedanken schwirren noch unsortiert im Kloster herum.
04.11.2025

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