Auf den Steinen der Vergangenheit 
gehen wir in den breiten, langen Klostergängen.
Wie laut wären die gesammelten Seufzer?
Wie tief das Schweigen?
Wie schmerzhaft das Nicht-Gesagte?

Lautes Staubsaugergeräusch am Morgen.
Staub im Kloster kann nicht weggebetet werden.
Zwischen den Bodenplatten zwängen sich Pflanzen durch,
besonders widerstandsfähige.
In den Fensternischen Kleinmöbel und Tischchen,
darauf Häkeldeckchen und große Zimmerpflanzen.
Hinweisschilder: Auf den Gängen leise sein, die Katze nicht ins Kloster lassen, WC, Leseraum.

Zimmer mit Nasszelle,
Einzelbetten als Moralunterstützung,
der am Kreuz hängende Christus blickt auf uns.
Nicht-Raucherzimmer, eh klar.

Ich stolpere in meine Kinder- und Jugendzeit,
Religionsunterricht mit Pater Sebastian,
Heiligenbilder im Kleinformat bei guter Mitarbeit.
Die Pater tragen auch hier die Soutane,
strahlen weltabgewandtheit aus.
Ich habe noch das „Grüß-Gott“ parat.

In meiner Welt ist wenig Platz für Kirche,
hier ist zwar viel Raum für mich,
Aber das Individuum an sich hat wenig Platz.
Als Kinder Gottes werden wir klein gehalten.

Vorm Kloster sitzen wir in der Sonne,
Genießen die Wärme und Helligkeit.
Und die Weite.

09.11.2025

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