

Ein Sammelsurium von Bildern haust in meinem Kopf. Anders als selbstbebilderte Bücher, sind die Szenenbilder aus Filmen parasitär. Sie bleiben und nisten sich ein. Beanspruchen immer mehr Raum, verschlingen zarte Bilder, Ahnungen, Gespinste.
Elizabeth Taylor & Richard Burton hängen in meiner Kopfgalerie, Abteilung Geschichte, als Julius Caesar und Kleopatra. Mein geschichtliches Hundertstel-Wissen besteht bei Kleopatra aus: tolles Augenmakeup, schwarze Haare, unbequemer Kopfschmuck – danach kommt Ägypten, Pharaonin, jung gestorben.
Geschichte ist nichts anderes als eine Sammlung von Geschichten. Ich bestaune die Historiker (meistens sind es ja Männer), die die vielen Geschichten zu einer Erzählung verbinden, erklären und darstellen warum B nach A kommt, obwohl es eigentlich M ist.
Was für eine Gesamterzählung wäre ein zufälliger Mix aus den vielen Geschichten? Was für eine Erzählung, wenn Frauen die Protagonistinnen, soziales Miteinander und Kriege als Beispiele für nicht gelungene Interaktionen Schwerpunkt wären? Und was für eine, wenn die hineininterpretierte romantische Liebe bei Julius Caesar & Kleopatra ersatzlos gestrichen würde?
Die Geschichten der Geschichte dienen dem kollektiven Wissen, das gerade ein vogue ist. Wie würden die Coen-Brüder oder Margarethe von Trotta diesen Kleopatra-Stoff verfilmen? Und wie lange hängt dann diese Bild in den Köpfen der jüngeren Menschen? Was verdrängt es, welche Sehnsucht lässt das Bild in der Kopfgalerie hängen?
Wie immer habe ich mehr Fragen als Antworten, gehe durch meine Kopfgalerie, hänge ab, hänge um, sehe mich nach neuen Bildern um.
Schmachte noch mal kurz bei Liz & Richard, schmunzle über den Selbstbetrug und lese endlich mal mehr über Kleopatra.
Aber Vorsicht: es sind alles nur Geschichten.
6.2.2026

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