„Er wird schon wieder auftauchen, Mama.“ Diese Worte sollen Annemarie trösten, sind aber wirkungslos.

Annemarie ist verloren in ihren Gedankensplittern und Ängsten. Es war ein wichtiger Brief. An mehr kann sie sich nicht erinnern. Ihre Augen wandern durch das Zimmer, das manchmal vertraut und manchmal fremd auf sie wirkt.

Das Vergessen ist schmerzlos, das daran erinnert-werden allerdings belastet Annemarie schwer. Die fragenden Blicke ihrer Kinder, ihrer Freundinnen und Freunde. Sie vergisst nicht nur was sie tut, wo sie sein sollte, sie vergisst auch wer sie ist oder wer sie war. An manchen Tagen ist sie Mutter, an manchen Tagen kinderlos oder eine Freundin, eine Fremde.

Sie sucht die Einsamkeit. Die anderen um sie herum zeigen ihr, wer sie einmal war und nicht mehr sein kann. Die Erwartungen sind ihr zur Last geworden. Sie flieht immer öfter ins Vergessen, um den verblassenden Erinnerungen zu entkommen. Vergessen hilft.

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